Patient
des Monats "Katze Mausi"
Mausi ist eine 6 jährige Hauskatze, die
in den letzten Jahren jeweils zwei Würfe hatte. Der letzte
Wurf bestand aus 10 Welpen, leider haben 5 Welpen die Geburt
nicht überlebt. Einer davon ist einen Tag nach der eigentlichen
Geburt tot zur Welt gekommen. Als Mausi bei uns vorstellig
wurde waren die restlichen 5 Welpen gerade mal 6 Tage alt.
Diese waren sehr munter und gesund. Leider ging es Mausi nicht
so gut. Sie war für 3 Tage verschwunden gewesen und kam
ganz verändert nach Hause.
Untersuchung:
Allgemeinbefinden reduziert; Schleimhäute rosa, KFZ prompt;
hat deutliche Probleme sich aufzurichten; kippt immer nach
rechts; starrer Blick; Drohreflex vorhanden; Pupillen reagieren
auf Licht, konsensieller Pupillenreflex vorhanden; Gliedmaßen
ganz steif und nach vorne gerichtet; sie will diese nicht
beugen; Herz und Lunge auskultatorisch o.b.B.; Temperatur
: 39,4 (erhöht); Bauch weich, im kranialen Abdomen eine
feste Struktur palpierbar, sehr, sehr schmerzhaft; rechte
vordere Zitze ziemlich gerötet und hochgradig geschwollen;
Rötung zieht hin bis zur linken Zitze, Mammaleiste produziert
Milch; die entzündeten Partien produzieren gelblich weiße
Flüssigkeit - höchstgradige Gesäugeentzündung,
Scheide geschwollen; um die Scheide herum feucht und auch
krustige Bestandteile im Fell;
Herzfrequenz >200 / Minute; Puls beidseits kräftig
, mauzt vor Schmerzen.
Weiterführenden Untersuchungen
:
Röntgen: l/l
Magen leer; Abdomen: Harnblase mgr – hgr gefüllt,
einige Darmschlingen prominent; dorsal der Harnblase mögliche
Anbildung der Gebärmutter; Kolon descendens (Enddarm)
stellt sich nicht gut dar
v/d : linksseitige Lungenverschattung

Ultraschall:
die Harnblase stellt sich dar und es kann ein weiteres flüssigkeitsgefülltes
Organ im kaudalen Abdomen festgestellt werden
Es wurde angeraten die Mausi zu kastrieren (Entfernung der
Gebärmutter und Eierstöcke), wegen der Gefahr einer
Intoxikation von evtl. verbliebenen Früchten in der Gebärmutter,
die sich möglicherweise schon zersetzen.
Blutentnahme :
Blut makroskopisch sehr dünn, gerinnt schlecht
| Referenzbereich |
|
|
| Amylase: |
507 U/l |
1445 |
| BIL: |
8,55 µmol/ l |
8,6 |
| Crea: |
89,5 mol |
159 |
| Glu: |
14,8 mmol/l |
3,9-7,5 |
| GPT |
80,0 U/l |
83 |
| Hb: |
5,54 mmol/l |
5,0-10,5 |
| Urea: |
9,32 mmol/l |
13,7 |
| Kalium: |
4,87 mmol/l |
3,0-4,8 |
Differenzialdiagnosen:
Trächtigkeitstoxikose; Steatitis die hochgradig Schmerzen
auslöst, bakterielle Toxine durch die hochgradige Entzündung
der Mammaleiste, die vermutlich neurologische Symptome auslösen;
Rattengift (sehr dünnes Blut), Intoxikation andere Genese.
Ovariohysterektomie:
Zugang in der Linea alba:
Harnblase bei eröffnetem Abdomen entleert; Gebärmutter
dick und ausgeleiert, beidseits ampullenförmige Gebilde,
fluktuierend; rechts am Eierstock Zyste; beide Eierstöcke
enthalten einen Corpus Luteum (Gelbkörper) Darm abgesucht
bis hin zum Caecum und Dickdarm: o.b.B.
Bauchdecke im Zitzenbereich bis unter dem Peritoneum (Bauchfell)
hochgradig gerötet, vor allem im kranialen Bereich Abdomen
wurde schichtweise verschlossen Pflasterverband

Therapie:
Infusion Ringerlaktat
Vitamin K1 (Vergiftungsfälle)
Sangostyptal 1 ml s.c. zur Blutstillung
Synulox 0,3 ml s.c. Antibiotikum
Metacam 0,2 ml s.c. Schmerzmittel
Buprenovet 0,1 ml i.v. starkes Schmerzmittel
Vitamin B - Komplex 1 ml s.c.
Mausi ist gut aus der Narkose erwacht, zeigte
aber danach noch deutliche Gangbeschwerden.
Die Atmung wurde wegen der linkseitigen Verschattung der Lunge
gut überwacht. Es gab die folgenden Tage nach der Operation
keine Schwierigkeiten mit der Atmung.
Ihre Welpen wurden per Hand weiter versorgt,
da diese die Wundheilung durch Saugen und Kratzen stören
würden. Außerdem war die Mammaleiste so schmerzhaft
und geschwollen, dass Mausi dies die ersten Tage nicht zugelassen
hätte. Die Welpen entwickelten sich gut und nahmen täglich
zu.

Eines von Mausis Kindern nach einigen Tagen
bei der Handaufzucht

Ein weiteres Katzenkind von Mausi nach einigen
Tagen Handaufzucht
Mausis Gang wurde etwas stabiler, Ataxie und
Hypermetrie waren leider noch immer vorhanden; Kopfschiefhaltung
nach rechts. Die Kopfbewegungen schienen kontrolliert. Bauch
weich nicht dolent; Augen: Bulbus voller, Augen klarer; beide
Pupillen gleich groß; Drohreflex vorhanden; Konsensieller
Pupillenreflex vorhanden; nicht dehydriert
Operationswunde schön in Heilung
Am 2ten Tag nach Operation ist der Abszess in
der Gesäugeleiste aufgegangen, eitrige Flüssigkeit
entleerte sich aus der Abszesshöhle; Schmerzhaftigkeit
und Wärme ließen nach

Die Abszesshöhle wurde täglich gespült.
Eine lokale antibiotische Therapie wurde mit Salben und Kegel
durchgeführt. Mausi hat täglich einen neuen Brustbauchverband
bekommen, mit dem sie sehr gut zu recht kam.
Zusätzlich bekam Mausi systemisch einen
doppelten antibiotischen Schutz. Nach ca. 10 Tagen täglicher
Verbandswechsel war die Abszesshöhle frei von Eiter und
es wurde der Entschluss gefasst einen Teil der Gesäugeleiste
operativ zu entfernen.
Während der Narkose hat sich herausgestellt,
dass das Gewebe sich soweit beruhigt hatte. Die Gesäugeleiste
wurde daher erhalten, revidiert und verschlossen.

links ausgeheilte Bauchwunde der Ovariohysterektomie
(Fäden nach 10 Tagen entfernt), rechts die Öffnung
der Abszesshöhle der Gesäugeleiste 21.03.11 (5)

Gesäugeleiste Abszesshöhle

Gesundes Gewebe der Haut und Gesäugeleiste
21.03.11

Hohlraum wurde so verschlossen, dass keine Taschen
in der Tiefe hinterblieben 21.03.11(8)
Die Wundheilung ist sehr schön fortgeschritten.
Nach 10 Tagen wurden auch diese Fäden entfernt. Das Gehen
fiel Mausi täglich leichter. Der Kopf richtet sich noch
immer leicht nach rechts, aber die Gliedmaßenführung
wird täglich besser. Sie war nach ca. 14 Tagen schon
in der Lage auf einen Stuhl zu springen und wieder herunter.
Mausi musste weitere ca. 14 Tage ein Antirattengiftmittel
einnehmen. Einige Zeit nach diesen Gaben normalisierte sich
Mausis Gang.
Mausis Welpen sind auch alle wohl auf. Leider
ist nicht bekannt, was genau diese großen Probleme ausgelöst
hat. Mausi ist eine sehr gute Katzenmutter, doch leider wird
sie keine Welpen mehr bekommen können. Wenn sie soweit
wieder gesund ist, kann sie endlich ihrer zweiten liebsten
Tätigkeit nachgehen - Mäuse fangen!

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